Im medialen Diskurs sind Katastrophenszenarios omnipräsent. Ob in Form der Berichterstattung realer Naturkatastrophen, als Bild für die Finanzkrise oder in den Adaptionen der Blockbuster in den Kinosälen – die Katastrophe und ihre zerstörerischen Kräfte sind zu einer Metapher für extreme, abrupte und unvorhersehbare Veränderungen, für Bewegung und Neusortierung, für Ohnmacht geworden. Insbesondere im Film wird das Bild des Wirbelsturms als Tür, als Brücke, als Medium der Transformation und als Versprechen zu neuen Lebenswelten und -abschnitten benutzt und zelebriert. In zahllosen Actionfilmen der Traumfabriken Hollywoods und in dem Ur-Filmgenre des Katastrophenfilms kann man die allumfassende Zerstörung an sich bestaunen. Das Genre bedient die Freude am Spektakel, die Faszination am Grauen, die Technikskepsis und den Voyeurismus an der Zerstörung. Erdbeben, Vulkane, Tornados, Stürme, das Schauspiel des Untergangs, die visuelle Überwältigung und immer mehr filmische Spezialeffekte werden zum eigentlichen Protagonisten. Die Leben der Menschen, die sich in diesen Filmszenarien der Extreme bewegen, durchlaufen synchron zur Katastrophe eine Wandlung. Die filmische Entwicklung der Figur bekommt mit der Katastrophe einen adäquaten visuellen Partner an die Seite: umso mehr Katastrophe, umso mehr Entwicklungspotential der Figur, so scheint es.
In der Videoarbeit „The Storm“ dreht sich der Sturm, herausgelöst aus den Erzählstrukturen und -konventionen des Genres, übermächtig, ruhig und beständig. Das Spektakel wird hier als Dauerzustand gezeigt. Der Wirbel saugt Fragmente der Zivilisation in sich auf, um sie nach einer Weile erneut zu Boden fallen zu lassen. Es sind kantige Betonbrocken, Mauerteile, Sand und Geldscheine, die immer und immer wieder durch den Schlund des Wirbelsturms aufgesogen werden. Menschengruppen nähern sich dem Sturm, folgen der kreisenden Bewegung, setzen sich der Gefahr aus, um dann wieder auf der Ebene zu verschwinden, ohne durch das Auge des Wirbelsturms gegangen zu sein.

Kunde: Deutschen Filmmuseum, Frankfurt am Main
Produktion: FFORMAT
Jahr: 2013
Leistung: 3D – Animation & Partikel Simulation